
Lesetipp von
Sybille Kramer
21.02.2024
Venedig 2021: Die größtmögliche Katastrophe ist eingetreten. Ein Hochwasser ungekannten Ausmaßes hat in einer stürmischen Nacht viele Teile der Stadt zerstört. Die Palazzi am Canal Grande sind wie Dominosteine zusammengestürzt, einer nach dem anderen. Doch was genau ist in dieser Nacht geschehen?Das ist die Ausgangslage in Isabelle Autissiers neuem Roman. Wer Venedig - so wie ich - kennt und liebt, ist von den realistischen Schilderungen extrem schockiert. Weil dieses Szenario wegen des Klimawandels nicht mehr abwegig ist, trifft es einen um so mehr.Wir lernen Guido Malegatti kennen, den Wirtschaftsrat von Venedig, der mit einem Motorboot durch die Überreste der Lagunenstadt fährt. Er hat die Flutnacht schwerverletzt überlebt und sieht jetzt das erste Mal mit eigenen Augen, wie schrecklich die Schäden tatsächlich sind. Und er ist immer noch auf der Suche nach seiner Frau und Tochter. Die Hoffnung, dass seine Familie noch lebt, hat er aber fast aufgegeben. Der Roman beginnt zwei Jahre früher. In Rückblenden erfahren wir die Geschichte einer kaputten Familie. Guido, der extrem unsympathisch und skrupellos geschildert wird, versucht, möglichst viel Gewinn mit dem Tourismus und mit fragwürdigen Immobiliengeschäften zu machen. Umweltschutz spielt für ihn keine Rolle. Seine Frau Maria Alba hält sich aus allem heraus, sitzt auf ihrer herrlichen Terrasse in einer Hollywoodschaukel und genießt den Blick auf die fragile Schönheit der Paläste. Die Liebe zur Kunst hat sie Tochter Léa von klein auf mitgegeben. Jetzt studiert die 17-Jährige Kunstgeschichte in Venedig und lernt Umweltaktivisten kennen. Sie merkt schnell, dass sie sich auch für die Rettung der Stadt einsetzen will. Allerdings mit radikaleren Mitteln. Die "normalen" Demonstrationen reichen ihr nicht mehr. Schnell wird sie dadurch zur Gegnerin ihres Vaters.
Autissier schreibt sehr mitreissend und spannend, aber auch informativ und eindrücklich über die Probleme, die Venedig hat. Ihre Liebe zu dieser einzigartigen Stadt wird deutlich und ebenso die Dringlichkeit zu handeln, damit hoffentlich nicht das Schlimmste - wie in diesem Roman - geschieht.
Übersetzung: Aus dem Französischen von Kirsten Gleinig
Roman
mare Verlag, 23,00 €
Bahrenfelder Str. 79,
22765 Hamburg
040 390 20 72
ed.nesnaitsirhc-gnuldnahhcub@ofni
Öffnungszeiten
Montag - Freitag 10.00 - 19.00 Uhr
Samstag 10.00 - 18.00 Uhr